Internationale Fallstudien

🇵🇹 Portugal

Entkriminalisierung seit 2001

Seit 2001 sind in Portugal alle Drogen entkriminalisiert. Laut EUDA-Berichten: Drogentote gehören zu den niedrigsten in Europa, HIV-Neuinfektionen unter Drogennutzern drastisch gesunken, mehr Menschen in Behandlung, weniger Inhaftierungen wegen Drogendelikten.

Das Modell:

  • Besitz kleiner Mengen ist keine Straftat mehr
  • Stattdessen: Verweisung an "Dissuasion Commissions"
  • Fokus auf Gesundheit, nicht Bestrafung
  • Massive Investitionen in Behandlung und Prävention
Niedrig
Drogentote (EU-Vergleich)
↓↓
HIV-Infektionen
↑↑
Behandlungen
Inhaftierungen

* Genaue Zahlen variieren je nach Quelle und Messzeitraum. Siehe EUDA-Berichte für aktuelle Daten.

Quellen: EUDA, Transform Drug Policy Foundation

🇨🇭 Schweiz

Heroinprogramm seit 1994

Der staatlich lizenzierte Heroinverkauf (HAT) in der Schweiz seit 1994 zeigt laut Bundesamt für Gesundheit: deutliche Reduktion der Beschaffungskriminalität, verbesserte soziale Integration, messbare Gesundheitsverbesserungen. Das Programm wird von der Schweizer Regierung als erfolgreich bewertet.

Das Modell:

  • Heroin-gestützte Behandlung (HAT) für schwer Abhängige
  • Pharmazeutisch reines Heroin unter ärztlicher Aufsicht
  • Tägliche Besuche in spezialisierten Kliniken
  • Integriert in umfassendes Behandlungsprogramm
↓↓
Beschaffungskriminalität
↑↑
Soziale Integration
↑↑
Gesundheit
Effektiv
Kosten-Nutzen

* Basierend auf offiziellen Evaluationen des Schweizer Bundesamts für Gesundheit.

Quellen: Swiss Federal Office of Public Health

🇳🇱 Niederlande

Coffeeshops seit 1976

Trotz Coffeeshops liegt der Cannabis-Konsum in den Niederlanden unter dem EU-Durchschnitt. Das Modell zeigt: Toleranz führt nicht automatisch zu höherem Konsum.

Das Modell:

  • "Gedoogbeleid" – Toleranzpolitik für Cannabis
  • Lizenzierte Coffeeshops dürfen bis zu 5g verkaufen
  • Strenge Regeln: Keine Werbung, keine Minderjährigen, keine harten Drogen
  • Trennung von Cannabis- und anderen Drogenmärkten
Ähnlich
Konsumrate vs. EU
Stabil
Jugendkonsum
~550
Coffeeshops (ca.)
48+
Jahre Erfahrung

* Konsumraten laut EUDA variieren je nach Erhebungsmethode.

Quellen: EUDA Netherlands Report

Schweden

Härte statt Regulierung

Schweden verfolgt aktuell einen der härtesten Repressionskurse Europas gegen Bandenkriminalität: Mehr Polizei, härtere Strafen, schnellere Abschiebungen. Doch Bandengewalt, Drogenkriminalität und Rekrutierung Minderjähriger bleiben auf hohem Niveau. Das Land zeigt, was passiert, wenn Repression statt Regulierung gewählt wird.

Die aktuelle Strategie:

  • Härteste Strafen, schnellere Abschiebungen mutmaßlich krimineller Ausländer
  • Neue Gesetze gegen Bandenmitgliedschaft und „gesellschaftsschädigendes Verhalten"
  • Mehr Polizei, Überwachung, Repressionspolitik
  • Politische Erzählung: Migration = Kriminalität
Hoch
Bandengewalt
↑↑
Jugendrekrutierung
Gemischt
Repressionseffekt
0
Regulierungsansätze

Was Schweden zeigt:

Einfaches „Härter durchgreifen" löst die Ursachen nicht. Solange der Drogenmarkt illegal bleibt, sind die Gewinnmargen hoch genug, dass jedes Risiko sich lohnt. Banden rekrutieren weiter, Gewalt verlagert sich, das Problem bleibt. Regulierung adressiert die strukturellen Ursachen: kontrollierte Substanzen, legale Lieferketten, Entzug der Einnahmequelle für Kartelle. Schwedens Weg demonstriert: Ohne politische Vision für Regulierung droht immer das Mantra „Härter, schneller, abschieben" – eine Politik, die Symptome bekämpft, ohne die Krankheit zu heilen.

Quellen: Tagesspiegel, Brottsförebyggande rådet (Brå)

🇨🇦 Kanada

Cannabis-Legalisierung seit 2018

Kanada war das erste G7-Land, das Cannabis vollständig legalisierte. Das Modell zeigt, wie ein regulierter Markt aufgebaut werden kann – mit Lerneffekten für andere Länder.

Das Modell:

  • Bundesweite Legalisierung mit provinzieller Umsetzung
  • Lizenzierte Produzenten und Verkaufsstellen
  • Strenge Qualitätskontrollen und Verpackungsvorschriften
  • Altersgrenze 18-19 (je nach Provinz)
Wachsend
Legaler Markt
↑↑
Steuereinnahmen
↓↓
Schwarzmarkt
↑↑
Arbeitsplätze

* Basierend auf Statistics Canada und Health Canada Berichten.

Quellen: Health Canada, Statistics Canada

Evidenz

Was die Literatur zeigt

Basierend auf BMG/ECaLe-Report 2023, CMAJ 2023, Lancet Public Health 2025, National Academies 2023.

Forschungsumfang

Bibliometrische Analysen zählen >10.000 Cannabis-Studien und dutzende Reviews zu Regulierung, Werbung, Gesundheit, Verkehr.

Konsummuster

Erwachsenen-Konsum steigt leicht, Jugendkonsum bleibt weitgehend konstant. Retail-Dichte, Preise und Aufklärung sind entscheidend.

Gesundheit & Sicherheit

Mehr ED-Besuche bei Edibles/hoch dosierten Produkten; Verkehrsdaten sind heterogen. Governance (THC-Limits, Tests) reduziert Risiken.

Wichtige Zahlen

~87 Mio.

Europäer (15-64 Jahre) haben mindestens einmal illegale Drogen konsumiert

~31 Mrd. €

Geschätzter jährlicher Umsatz des illegalen Drogenmarkts in der EU

6.166

Drogentote in der EU im Jahr 2021

~4

Drogentote pro Million Einwohner in Portugal (EU-Durchschnitt: ~22)

Wissenschaftliche Studien

Peer-reviewed Forschung und offizielle Berichte zu Drogenpolitik

Johns Hopkins-Lancet Commission

Drogenpolitik und öffentliche Gesundheit: Umfassende Analyse durch führende Wissenschaftler. Empfiehlt regulierten Markt statt Prohibition.

Zur Studie →

EUDA – European Drug Report

Jährlicher Bericht der EU-Drogenagentur mit aktuellen Daten zu allen EU-Ländern.

Zum Bericht →

Transform Drug Policy Foundation

Führende Denkfabrik für Drogenreform mit umfangreichen Ressourcen zu Regulierungsmodellen und Evidenz.

Zu den Publikationen →

Drug Policy Alliance

US-amerikanische Organisation mit umfangreicher Forschung zu Reformerfolgen in verschiedenen Bundesstaaten.

Zu den Ressourcen →

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Faktenblätter und Infografiken für Ihre Arbeit

Weitere Ressourcen

Fachliche Netzwerke und Analysen für eine wissenschaftsbasierte Drogenpolitik.